Die beiden harmlosen Hinterwäldler Tucker und Dale müssen sich einer Horde von urlaubenden College-Kids erwehren, die die beiden für Psychokiller halten und sich dabei vor lauter Hysterie selbst dezimieren.
Es ist nicht ganz damit getan, Tucker and Dale vs. Evil einfach nur als inspirierend komische und kenntnisreich authentische Umkehrung des Backwood-Slasher-Motivs zu bewerten. Der große Erfolg und die bergeweise guten Kritiken haben viel eher damit zu tun, dass es sich um einen lupenreinen Nerd-Film handelt, mit dem sich die Eigentümlichen in aller Welt liebend gern identifizieren.
Dale und Tucker sehen zwar aus wie die klassischen Hillbillys, sind von ihrem Wesen aber eher typische Nerds. Mäßiges Aussehen, mangelndes Selbstbewusstsein, rasende Schüchternheit, Ahnungslosigkeit in Stilfragen und hygienisches Laisser-faire haben aus den beiden sozial Irritierte gemacht. Zurückgezogen in ihrem eigenen Universum, operieren sie als Dick und Doof in umgekehrten Rollen. Aber Obacht! Der dicke Dale ist in Wirklichkeit ein Genie, eine Art Savant, und die Hoffnung auf ein Mädchen hat er auch noch nicht ganz aufgegeben.
Die Gegenseite, die College-Kids, stehen natürlich für das angepasste Mittelklasse-System, hübsche junge Leute im SUV, denen der soziale Aufstieg bereits auf die Stirn gemeißelt wurde. Mit anderen Worten: Sie sind diejenigen, die die Nerds im College mobben. Und das Böse zeigt sich nicht etwa am Rand der Gesellschaft, wo die wilden Waldmenschen hausen und die Systemrelevanten metzeln, sondern mittendrin im System: Der Anführer der jungen Leute hat gewaltig einen an der Klatsche. Liegt in der Familie. Die selbstverständlichen sozialen Vorurteile, brüllend komische Missverständnisse und die Konditionierung durch Horrorfilme verfestigen sich zu einem hysterischen Popanz. Die Nerds tun derweil nichts anderes als Nerds zu sein, aber ihre bloße Existenz reicht schon aus, um die Jagd auf sie zu eröffnen. Das geht nach hinten los, und das Nerd-Publikum darf sich ausgelassen der Schadenfreude hingeben, wenn die College-Sackgesichter sich versehentlich aufspießen, erschießen oder in den Häcksler springen.
Wirklich schön an Tucker and Dale vs. Evil ist, dass der Film nicht zynisch wird und sich eher als Märchen artikuliert. Dass Dale und das sympathische College-Mädchen sich kriegen könnten, deutet sich schon früh an („Ich bin auf einer Farm aufgewachsen“), aber es bleibt Skepsis beim Zuschauer, ob der Film zulassen kann, dass der nerdige Dicke und die strahlendschöne sozial Integrierte zusammenkommen. Aber die Utopie wird tatsächlich wahr, und das Nerd-Publikum tankt hier nicht nur Schadenfreude, sondern auch Hoffnung für sich selbst.









