„Reisen bildet“, sagt der etwas leichtfertige Engländer Charles Kent und kann die dunklen Vorahnungen seiner Schwägerin Helen absolut nicht verstehen: „Wenn’s nach dir ginge, würden wir noch in England herumhocken.“ Ihre Bildungsreise führt die beiden miteinander verwandten Ehepaare unter anderem durch die Karpaten, und genau da warnt Abt Sandor sie ausdrücklich davor, auch nur in die Nähe der Burg zu kommen. „Wo ist hier eine Burg?“, fragt Charles’ Bruder Alan. „Auf der Karte ist keine verzeichnet.“
Natürlich landen die vier auf eben dieser Burg. „Die Gastfreundschaft meines Herrn ist berühmt“, meint Diener Klove. „Wo ist denn Ihr Herr?“ – „Er ist tot.“
Nun, die Gastfreundschaft drückt sich dann darin aus, dass Klove in der Nacht Alan schlachtet und mit seinem Blut Dracula aus der Asche wiedererstehen lässt. Der Graf verwandelt Helen in einen Vampir und macht sich an die zweite Dame, Diana, heran. Sie und Charles können nach einigem Hickhack zu Abt Sandor entkommen, aber die Vampire und Klove gehen in die Offensive und verschaffen sich Zutritt zum Kloster. Dracula hat nicht vor, Diana noch mal entkommen zu lassen …
Aus dem Jahr 1966 und der zweite Dracula-Film der Hammer Productions. Weil acht Jahre zwischen diesem und dem ersten Film lagen, wird zu Beginn der Showdown des Vorläufers noch mal rekapituliert. Deutscher Titel: Blut für Dracula.
Ich sah diesen Film 1979 mit zwölf und seitdem nie wieder. Ich weiß noch, dass ich sehr beunruhigt war damals. Ich bin nun wieder sehr beunruhigt, denn Prince of Darkness ist auf seine elegante Weise enorm grauslig. Der zweitbeste Hammer-Dracula nach dem ersten Teil. Die herzlich simple Geschichte gereicht dem Film zum Vorteil, denn er kann sich skrupellos auf Spannung, drollige Zwischentöne und Action konzentrieren. Mit Francis Matthews, Charles Tingwell, Barbara Shelley, Philip Latham und Andrew Keir stehen zudem äußerst solide Darsteller zur Verfügung. Keir ist als robuster Abt Sandor eine Bank und weist rein gar nichts von jener Lächerlichkeit auf, die hysterische Klerikale in späteren Hammer-Filmen so oft an den Tag legen. Ähnlich verhält es sich mit Latham, der Klove eine bedrohliche Höflichkeit und Zweideutigkeit verleiht, die anderen Diener-Figuren der Hammer Productions meist völlig fehlt. Shelley gibt als animalische Vampirin eine kurze Meistervorstellung des Bösen. Matthews ist einer der glaubwürdigsten jungen Helden der Serie und nicht so ein Bürschchen wie viele seiner Nachfolger in der Rolle. Christopher Lee übernimmt einen aktiven Part, ist bösartig, stumm, dämonisch, herrisch. Die Kulissen und Bauten sind großartig, die Tricks weitestgehend brillant, die Kamerafahrten und -bewegungen subtil, die Bildgestaltung metaphorisch. Und der Mord an Alan ist für die damalige Zeit komplett schockierend und monströs.
Zu verdanken ist dieses prachtvolle, bleibende Stück Gruselnostalgie hauptsächlich Hammers Star-Regisseur Terence Fisher und Kameramann Michael Reed, die auf den Punkt genau arbeiten und keinerlei Redundanzen und Leerlauf zulassen.
