Quatermass ist Wissenschaftler in britischen Diensten und hat freie Hand, dem Land im Kalten Krieg einen Vorteil zu verschaffen. Als eine Rakete aus seiner Fertigung mit drei Astronauten an Bord abstürzt, sind zwei der Männer verschwunden und der dritte apathisch und nicht mehr er selbst. Carroon wird wissenschaftlich untersucht, aber bevor man sich einen Reim machen kann auf die Veränderungen, die mit ihm vorgehen, flieht er mithilfe seiner Ehefrau. Carroon hat sich draußen im All ein Wesen eingefangen, das anderen Lebewesen das Blut aussaugt oder sie ganz absorbiert. Dabei wächst es, häutet sich regelmäßig, vermehrt sich und wird bald zu einer ernsten Bedrohung für London. Quatermass, sein Team und die Behörden starten eine hitzige Suchaktion.
Der deutsche Titel lautet Schock. Der Film wurde in früheren Synchronisationen unvorteilhaft verfremdet.
Auf einer sechsteiligen TV-Serie von Nigel Kneale beruhend, war The Quatermass Xperiment von 1955 der erste durchschlagende Kinoerfolg von Hammer Films und motivierte die Produzenten dazu, fortan stärker auf die phantastische Karte zu setzen, auf Horror und SF. Die Echos, die der Film hervorrief, hallten durch das ganze Alien-Invasions-Genre bis hin zu Carpenter, Scott, The X Files (man beachte das X) und offensichtlichen Plagiaten wie The Astronaut’s Wife. Zugleich bedient sich Quatermass bei zeitgenössischen amerikanischen Monster- und Invasionsfilmen und sogar bei einem gewissen populären Monster aus dem Universal-Stall der 30er.
Regisseur Val Guest hält den garstigen kleinen S/W-Film in einem quasi-dokumentarischen, typisch britischen Stil, bei dem Geschehnisse zum Teil indirekt über Bildschirme oder Film-im-Film vermittelt werden. Das führt zu einem weitgehenden Verzicht auf melodramatische Elemente, zur Betonung nüchterner Fakten, zu einer Illusion von Objektivität, dem detaillierten Darlegen der Abläufe und heftigem Realismus, der damals schockierend gewesen sein muss. Und mitten hinein in diese ‚Objektivität’ schneidet plötzlich eine brillante subjektive Kamera, die John Carpenter vorwegnimmt. Die wenigen gefühligen Passagen übernimmt Carroons Ehefrau, während Richard Wordsworth sich bei der Darstellung des gequälten Carroon an Boris Karloffs Ungeheuer orientiert und dabei Großartiges leistet. Der Mann hat das volle Mitleid des Publikums. Zumindest so lange, bis er kein Mann mehr ist, sondern eine bizarre Mischung aus Nacktschnecke und Riesenkrake, die überall Schleimspuren hinterlässt und mitten in eine Live-Übertragung aus Westminster Abbey platzt.
Von höchstem Interesse ist die Figur Quatermass selbst. Von Anfang an tritt er als kaltherziger Kotzbrocken auf, und jedwede Kritik in fachlicher wie menschlicher Hinsicht perlt an ihm ab. Nachdem klar ist, was er da mit seinem Weltraumexperiment auf die Erde geholt hat, fügt er sich in die Abläufe und regelt die Affäre kompetent. Aber am Ende steht eine skandalöse Verhaltensweise. Statt sich in die für die Epoche so typische Demut zu fügen und vor den Gefahren losgelassener Wissenschaft zu warnen, sagt er auf die Frage „Und was jetzt?“ allen Ernstes: „Jetzt starte ich die nächste Rakete.“ Spricht’s und marschiert in einer denkwürdigen Einstellung einsam eine Straße herunter, die aus Dunkelheit und scharf abgegrenzten Lichtinseln besteht.
The Quatermass Xperiment ist eine echte Pioniertat.
