Steiermark, 1830. Den englischen Schriftsteller Lestrange verschlägt es ans Mädcheninternat im Schatten der verlassenen Burg Karnstein, wo er sich umgehend in den Neuzugang Mircalla Herritzen verliebt. Aber die junge Frau ist in Wirklichkeit Carmilla Karnstein, die von Gräfin und Graf (im ersten Film war er noch der namenlose „Man in Black“) mittels eines Blutrituals wieder auf die feine Gesellschaft losgelassen wird. Und während sie sich durch die Mädels des Internats schlabbert und dabei Spuren und neugierige Mitwisser beseitigt, gerät sie aufgrund der standhaften Liebesbeteuerungen Lestranges durchaus ins Wanken und verliebt sich in ihn, einen Menschen. Das können Graf und Gräfin, die Marionettenspieler im Hintergrund, aber nicht dulden.
Der deutsche Titel Nur Vampire küssen blutig ist gar nicht so verkehrt, suggeriert er doch genau die Schmonzette, die Lust For A Vampire ist. Der zweite Teil der Karnstein-Trilogie gerät aufwendiger als der erste und dynamischer, setzt ganz klar auf Softsex und löst das ein, was der erste Teil schon versprach, aber glücklicherweise nur zögerlich lieferte. Zu Anfang ahnt man Schlimmes, denn wenn eine Heerschar wohlgewachsener junger Internatsdamen in angeblich römischen Gewändern auf der Wiese dem Ausdruckstanz huldigt und die Herren daneben stehen und auf lange Beine und wogende Busen stieren, dann fühlt man sich doch tatsächlich angemessen vorbereitet auf einen Frühsiebziger-Sexfilm. Unmittelbar darauf, sozusagen als Bestätigung, halten die Mädels vor dem Zubettgehen in hoher Frequenz nackte Brüste und Schenkel in die Kamera, und ein bisschen gestreichelt und geknutscht wird auch.
Dann flutet aber kurzzeitig der Vampirfilm zurück, um bald darauf durch Schmonzes ersetzt zu werden, dessen absoluter Tiefpunkt eine Liebesszene zu kitschigen Schlagerklängen ist. Am Ende haben wir eine hysterische „Mob-stürmt-die-Burg-Sequenz“, die Kulissen und Einstellungen aus Scars of Dracula zweitverwertet.
Das dänische Model und TV-Sternchen Yutte Stensgaard als Carmilla hat Ingrid Pitts Darstellung aus dem ersten Film kaum etwas entgegenzusetzen und ist in erster Linie ein hübsch anzusehendes Nichts, ein reines erotisches Schmachtobjekt. Die Darstellung des „Grafen“, der zuvor noch der „Man in Black“ war, gerät zum Totalausfall. Schauspieler Mike Raven weist große Ähnlichkeit mit Christopher Lee auf, aber seine Interpretation ist nicht mal unfreiwillig komisch, sondern komplett daneben.
Was man Lust For A Vampire zugute halten kann, ist, dass er die Fremdsteuerung Carmillas noch stärker veranschaulicht als der erste Film und sie in tragische Liebesnöte bringt. Nutzt nur alles nichts, wenn es erzählerisch und darstellerisch derart versiebt wird.
Ein Film aus der Niedergangsphase, in der die Hammer Productions sich mit dem Zeitgeist verbündeten und dabei nur belegten, wie anachronistisch sie damals schon waren.
