Im Jahr 1215 wird der englische König John vom Adel gezwungen, die Magna Charta zu unterschreiben und damit einen Teil seiner Macht abzugeben. König John findet das nicht toll und versichert sich bald darauf der Mitarbeit eines dänischen Söldnerheers, mit dem er England von Süden her aufrollen und sich das totale Gottesgnadentum zurückholen will. Aber der alte Recke Baron von Albany, jetzt eigentlich Wollhändler, sammelt ein klitzekleines Grüppchen von Kampfgefährten und einen melancholischen Tempelritter um sich – insgesamt sind sie zu siebt (!) – und bemächtigt sich der Burg Rochester, die auf der Marschroute des Königs liegt. Es kommt zur Belagerung, die von beiden Seiten mit Zähnen und Klauen ausgetragen wird.
Regisseur und Co-Autor Jonathan English und sein walisisches Team waren offenkundig der Auffassung, dass es schon lange keine knackige Variante der Sieben Samurai mehr gab, und wollten dem abhelfen. Recht haben sie getan.
Angespornt von der generellen Harmlosigkeit von Ridley Scotts Robin Hood und der historischen Beiläufigkeit von Neil Marshalls Centurion, gerät Ironclad deutlich verbindlicher. Nun, historisch so ganz korrekt ist es wohl nicht ausgefallen, aber die Historie ist ohnehin nur Folie für eine bezwingend einfache kinematographische Geschichte auf engem Raum, die sich einige erwartbare Konflikte im Innern und schön pathetisches Heldengerede gönnt. Ironclad macht irgendwann die Räume um die Tyrannengegner so eng, dass man tatsächlich erwartet, diese ganz klassisch strukturierte Sache ginge ganz und gar nicht gut aus und die Kavallerie käme zu spät oder bliebe sogar ganz aus. Auf dem Weg dahin geht es sehr kinetisch zu und kommt es zu so ausgesprochen entzückenden Kontakten zwischen Stahl und Fleisch, dass man sich bei der deutschen Altersfreigabe die Augen reibt.
Die Stärke des an und für sich recht kostengünstigen Films ist neben der Ausstattung, der hochqualitativen Besetzung und der bezwingenden Bildgestaltung vor allem seine Brutalität. Wie dem Zuschauer hier ein unerbittliches, hyperbrutales Mittelalter hingeschmissen wird, das imponiert. Natürlich geht es hauptsächlich ums Kriegshandwerk, und da darf man allerhand Blutspritzereien erwarten, aber es werden auch kleine Diskurse und schauspielerische Glanzlichter von Leuten wie Paul Giamatti, Brian Cox, Derek Jacobi und Charles Dance gesetzt, die das Gottesgnadentum und ein rabiates Rechtssystem vorführen und kommentieren. Und welche Rolle Schweine bei einer Belagerung spielen, das hat man so auch noch nicht gesehen. Um all die Schrecken zu konterkarieren, muss Ironclad auf eine etwas erzwungene Liebesgeschichte mit der allerdings wunderschönen Kate Mara zurückgreifen.
Ein wirklich kraftvoller Klopper für Freunde der gepflegten historischen Schlachtplatte und der zahlreichen Kurosawa-Abkömmlinge. Das hier ist ein Film für euch (und mich).
