Pseudo-Österreich, 19. Jahrhundert. Die Dörfler entledigen sich ihres Vampirgrafen, weil der sich ruchlos an den jüngeren und älteren Mädels vergreift. Im Sterben stößt der Graf einen Fluch aus und kündigt Rache an. Fünfzehn Jahre später ist das Städtchen eine Quarantänezone, weil hier eine rätselhafte Seuche ausgebrochen ist. Irgendwie schafft es der „Circus of Nights“ („circus of nights – a thousand delights“) durch die Blockade, und die Artisten beginnen damit, die Bewohner in ihren unheimlichen Bann zu ziehen. Und natürlich ist die Gauklerbande nur deshalb hier, um des Grafen Rache zu vollziehen.
Von 1971 und recht populär. Einer der schönsten Vampirfilme der Welt. Schnell, blutrünstig, freizügig, surreal und freaky. Und das alles wie üblich mit Minimalbudget. Beinahe ein bisschen wie die Hammer-Version von Bradburys Something Wicked This Way Comes. Ein sehr gemeiner, bösartiger Film mit viel Nacktheit, brutaler Gewalt, Inzest- und Missbrauchs-Elementen, Hörigkeits- und S/M-Motiven, düsterer Varietémagie, heftigem Rachedurst und Großaufnahmen der vielleicht spitzesten, gefährlichsten Vampirzähne überhaupt. Die Blutsauger sind Verführer und Gestaltwandler, lächelnde Raubtiere, die Menschen nicht nur aussaugen, sondern gleich übel zerfleischen. Und zwischendurch vollführen sie prachtvolle artistische Kunststücke, bei denen ein origineller Filmschnitt einiges mitzureden hat. Ihre Helfershelfer, die Zirkus-Freaks, sind teilweise noch fieser als ihre spitzzahnigen Herren (z.B. der ach so lustige Zwerg-Clown).
Vampire Circus leistet sich eklatantes, unfreiwillig komisches Overacting, zu viele Frühsiebziger-Frisuren, allerhand unübersichtliche Familienverhältnisse, Umständlichkeiten, Inkohärenzen, widersinnige Handlungsverläufe und einige tumbe Trickaufnahmen, aber die Schwächen verblassen angesichts der brutalen Konsequenz des dargebotenen Rachefeldzugs und der surreal-halluzinatorischen Tendenzen, die in ein besonders finsteres Märchen führen. Allein der Prolog bietet schon mehr Schrecken und nackte Haut auf als viele komplette Filme der Hammer Productions und stellt gleich klar, in welche Richtung das hier abdampft. Am Ende dann freut sich der Kamerablick regelrecht, wenn er über die ganzen Leichen schweifen darf. Nebenbei bietet Vampire Circus einen der schönsten Kircheninnenräume des Gruselfilms, einige der erotischsten Szenen in der Geschichte der Hammer Productions, modernen Schnitt sowie Splatter-Sequenzen von überraschender Drastik. Hauptaspekt ist jedoch das Formverändernde, Schillernde, das den Film zu einem der besten im Hammer-Oeuvre macht.
