Donnerstag, 29. Dezember 2011

Der freundliche Bestatter: "After.Life"

Lehrerin Anna ist nicht so ganz zufrieden mit ihrem Leben und führt sich ihrem Freund gegenüber ziemlich reizbar auf. Nach einem Streit hat sie einen Autounfall und findet sich wieder in den „technischen“ Räumlichkeiten des Bestatters Eliot Deacon, der ihr versichert, sie sei tot. Der Bestatter behauptet, eine Gabe zu besitzen, die es ihm ermöglicht, mit den Toten zu kommunizieren. Anna glaubt ihm nicht, weil sie sich lebendig fühlt, kann aber in der Dreitagesfrist bis zur Beerdigung aus dem verwinkelten Gebäude nicht entkommen. Unter Deacons Einfluss fügt sie sich mehr und mehr in ihr Schicksal und akzeptiert ihr Ableben, während ihr Freund nicht an ihren Tod glaubt und sich an Deacon heranmacht … 
Ein Filmchen, das uns etwas zu selbstverliebt dazu auffordert, es zu interpretieren und seine ach so klug gesetzten Zeichen zu lesen. In den Specials sagt die Regisseurin und Autorin, sie wolle das Publikum zum Nachdenken bringen über Leben und Tod. Eine ebenso große wie unverbindliche Ambition also. Sie schafft es immerhin, die Frage nach dem Sinn und Zweck ihres Films aufzuwerfen. 
Dabei nehmen die ruhige Atmosphäre und die beachtliche Kameraführung einen durchaus für sich ein. Konterkariert wird das jedoch durch überflüssige, geschmäcklerische Horror-Einschübe, die offenbar den schläfrigeren Part des Publikums bei der Stange halten sollen. Das meiste davon ist pures Klischee und straft die hehren Ambitionen Hohn. Über weite Teile bezieht After.Life seine Spannung aus der Frage, wer hier einen an der Klatsche hat. Die neurotische, bestenfalls skizzenhaft umrissene Anna, die sogar als Leichnam noch therapiebedürftig ist? Oder doch der völlig rätselhafte Bestatter, dem es nicht ausreicht, die echten Toten zu behandeln, und der sich auch die Lebenden holt, um Spielchen mit ihnen zu treiben? Der Zuschauer ist sich nicht sicher, und es ist dem Film zweifellos zugute zu halten, dass er sich einer allzu klaren Auflösung entzieht und den Zustand der Unschlüssigkeit nachhallen lässt. Dennoch erzeugt er mehr Verwirrung, als dass er erzählerische Abrundung anstrebt. Am Ende hängt man in der Luft und empfindet das nicht etwa als beeindruckendes Filmerlebnis, sondern das Defizienzerfahrung. Die Zeichen sagen einem, dass der Bestatter – trotz seiner melancholischen Bestatter-Weisheit – bekloppt ist, aber die Art und Weise, in der die Dinge sich zutragen, unterläuft diese Logik. 
Die Welt drumherum ist nämlich auch nicht gerade dazu geeignet, als festumrissene Realität durchzugehen. Diffus und angedeutet. Ein Kontinuum aus behaupteten Strukturen, die weder die Figur Anna noch die Figur Deacon irgendwie stützen. Der ganze Film driftet und schlackert unangenehm. 
Liam Neeson macht das Beste aus seiner unterfordernden Rolle, Christina Ricci sieht die ganze Zeit über aus, als sei sie aus einem Puppenfilm von Tim Burton ausgebüchst. Aber im Grunde sieht sie ja immer so aus. 
Kann man mal wegschlabbern, bleibt aber fade im Abgang.