In der finnischen Eiswüste und ohne Kontakt zur Außenwelt aufgezogen, wird der genetisch zur Supersoldatin manipulierte Teenager Hanna vom Superagentenvater benutzt, um einen Rachefeldzug gegen die Geheimdienstchefin (= Hexe) anzukurbeln. Die Wege kreuzen sich in Berlin, wo sonst?
Während die Bourne-Filme die alten Agentengeschichten und den Supersoldaten-Plot noch ziemlich ernst nahmen und mit hohem ästhetischen Hipness-Faktor aufrüsteten, überführt Hanna das Motivgeflecht endgültig ins Reich der Märchen. Hänsel und Gretel treffen Rotkäppchen treffen Kaspar Hauser und noch allerhand weitere Motive aus den „Hausmärchen“. Das gute alte Agentengenre wird zur hochartifiziellen Farce. Nur Humor hat die Sache keinen, es sei denn, man betrachtet sie von vornherein als völlig gaga. Und das fällt nicht wirklich schwer. Die Märchensymbolik ist penetrant bis zum Gehtnichtmehr, verfügt aber über einigen Unterhaltungswert, wenn sie den Zuschauer anspornt, das nächste Märchenmotiv zu identifizieren. Während die meisten Thriller eine arithmetische Logik aufweisen müssen, kann Hannas Märchenwelt darauf getrost verzichten und Zufälle aneinander reihen, bis das Was überhaupt keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch das Wie. Der Film scheint irgendwann nur noch eine Aneinanderreihung von Bildkompositionen zu sein.
Regisseur Joe Wright ist schwer verknallt in die herbe, talentierte Saoirse Ronan, die er in ihrer ganzen darstellerischen Pracht ablichtet. Er versäumt es aber, dem rennenden, kickboxenden Girlie in den Action-Passagen eine physische Glaubwürdigkeit zu verleihen. Hanna ist ein dünnes Mädchen, das zu kloppen und zu töten behauptet, das aber in keinem Moment wirklich kloppt und tötet. Cate Blanchett hat als böse Geheimdiensthexe ziemlich genau den Modus eingeschaltet, in dem sie auch im letzten Indiana Jones-Film lief.
Hanna ist nicht partout schlecht, geht aber größtenteils spurlos an einem vorüber. Eine Babelsberg-Kopfgeburt, inkohärent, forciert und zu verliebt in seine absurde Genre-Vermengung bei gleichzeitiger Antipathie gegenüber Agentenfilmen, die als Märchenpark diskreditiert werden. Das funktioniert einfach nicht richtig.
Pluspunkte gibt es für den monströsen Soundtrack der Chemical Brothers und Tom Hollanders Darbietung als bizarrer Killer mit Hang zu Trainingsanzügen und Tennisbekleidung.
Mir sind die hysterischen Post-Agentenfilme der späten 70er und frühen 80er lieber, die ein ausgelutschtes Genre über seine Grenzen hinaustrieben und den Klischee-Kehraus durchführten. Target oder Lawinen-Express sind sehr viel ehrlicher und kerniger als dieses absurde Gebilde namens Hanna.
