Conan der Cimmerier rächt seinen hingemetzelten Stamm am bösen Warlord und rettet nebenbei die „Reinblütige“ vor dem rituellen Ausbluten.
Die Neuverfilmung von Film-Metzger Marcus Nispel orientiert sich stärker an Robert E. Howards Originalfigur, als John Milius’ Version von 1981 das tut. Die Folge ist, dass Conan sich zu einer Abfolge von Fantasy-Standardsituationen für Pubertäre und solche, die es geblieben sind, verfestigt. Dabei zeigt der Film sich so unflexibel, dass man ihn im Grunde auch in Stein hätte meißeln können. Die bemüht wirkende, scheiße geschnittene Kinetik der andauernden Gemetzel und das ständige Zähneblecken und präpotente Herumbrüllen der Muskeltypen ändert daran nichts: Conan ist so elegant wie eine Presswurst. Vielleicht hätte ein cimmerischer Kinderpsychologe noch was retten können, wenn er den jungen Conan früh genug untersucht hätte. Der legt nämlich bereits als Kind ein Verhalten an den Tag, dass dagegen die abendliche Messerstecherei im Kölner Problemviertel der reinste Cluburlaub ist. Na ja, der Bursche wurde ja auch seiner sterbenden Mutter auf dem Schlachtfeld aus dem Leib geschnitten: „Ich möchte, dass er Conan heißt. Röchel.“
John Milius’ Version hatte einen überzeugend spätpubertären Helden, einen tumben Naivling, der oft wirkte wie ein Autist mit Wumme, respektive Schwert. Während andere Jungs schon mal prophylaktisch an ihren Pimmeln spielten, schärfte Conan grunzend seine Klinge und philosophierte stammelnd über die Schönheit des Stahls. Sein erster Liebesakt scheiterte. Die furiose Feuerhexe war das Symbol für vorzeitige Ejakulation. Kein Wunder, dass sie übellaunig zum Horizont abzischte. Conan würde später noch mal richtig, aber tragisch lieben. Seine Gefährtin starb den Heldentod, denn im Reich der Klinge war der Mann Einzelgänger und hatte es zu bleiben. Ein Mann, sein dubioser Rächergott und der Stahl. Nix sonst.
Besonders erheiternd geriet auch Milius’ Auskeilen gegen die Hippies und Blumenkinder, auf die er selbst 1981 noch richtig stinkig war. Wegen Vietnam und so. Conan bläute es ihnen mit der Faust ein und deprogrammierte die verführten Blumenkids, indem er vor aller Augen ihrem falschen Götzen den Kopf runterhaute.
Von all diesen subtextuellen Nettigkeiten hat Nispels Conan gar nichts. Verschnaufpausen dauern bestenfalls zwei Minuten, ehe das nächste Blutgespritze losgeht und Kinetik, nichts als Kinetik herrscht. Die Handlung hat weder Höhen noch Tiefen, sie ist ein trübsinniger, ermüdender Flow aus Standards: Herr der Schatten, Engel des Todes, der Verbotene Wald, Stadt der Diebe, Höhle der Schädel, Oktopusmonster, Kapuzentypen, eine Bene-Gesserit-Hexe mit Freddy-Krueger-Händen als Schwarzmagierin, ein über Land gezogenes Schiff (warum?), einstürzende Höhlen, ein zusammengepanschter Kulturenmischmasch, reduziert aufs möglichst grimmige Design. CGI-Kulissen, die Generationen von Fantasy-Illustratoren plündern, dauergebleckte Zähne, ziemliche viele Fleischwunden und Kunstblut, orgasmisches Gebrüll der bluttriefenden Sieger. Wie fade. Das letzte Viertel des Films kopiert unumwunden Indiana Jones und der Tempel des Todes, weil niemandem mehr irgendwas einfiel. Und es endet so, wie man es glattweg hätte vermuten können: Alles stürzt ein.
Ein Film für das kleine, gedemütigte Kind im Manne.
